Message Control: Was sie von Politikern lernen sollten

Die derzeitige Regierung hat punkto Kommunikation fest die Zügel in der Hand: Kommuniziert wird nur das Nötigste, Interviews und Informationen sind rar. Bis auf ein paar Ausnahmen wirkt die Öffentlichkeitsarbeit glatt und kontrolliert, es gibt kaum Ausreißer oder Querschüsse aus den unterschiedlichen Ministerien. Bedeutet: Die Botschaften der einzelnen Minister und Politiker unterlaufen einer Kontrolle und werden über professionelle Presse-Berater vermarktet. Zu unserem Leidwesen, denn das gegenseitige Misstrauen der früheren rot-schwarzen Regierung hatte ja auch Unterhaltungswert.

Wenn Journalisten nun angesichts dieser Vorgehensweise von einer Bedrohung der Demokratie reden: Einfach abwarten und im Hintergrund Netzwerken. Wenn die Informationen nicht direkt kommen, dann kommen sie eben zB von enttäuschten oder einfach nur mitteilungsbedürftigen Mitarbeitern oder Funktionären.

Was sie von Politikern daher lernen können

Überlegen sie sich gut, ob sie etwas NICHT kommunizieren wollen. Wer weiß von dieser Sache aller Bescheid? Ist der Flurfunk bereits aktiv? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Lieferanten, Konkurrenten und Kunden über informelle Kontakte bereits darüber informiert wurden? Und wie lange dauert es ihrer Einschätzung nach, bis das Thema bei den Fachmedien einschlägt?

Machen sie nicht den Fehler wie Angela Merkel anlässlich der sexuellen Übergriffe zu Silvester 2015/16, Social Media zu unterschätzen. Informationen, die bereits auf informellem Weg in die Öffentlichkeit gelangen, können sie nicht mehr einfangen, geschweige denn kontrollieren.Behalten sie die Kontrolle über Botschaften, indem sie der erste Emittent sind und damit den Spin in der Hand halten.

Aber: Analysieren sie nach realistischen Maßstäben, immer mit dem Streisand-Effekt im Hinterkopf. Kennen sie den? Dieses lustige Phänomen wurde nach Barbra Streisand benannt, die einen völlig unbekannten Fotografen verklagte, der die Küstenerosion für das California Coastal Records Project dokumentierte. Unter immerhin 12.000 Fotos von der Küste Kaliforniens befand sich auch eine Luftaufnahme ihres Hauses – bis zu Klage völlig unbemerkt. Erst durch ihre Klage wurde das Foto mit der berühmten Besitzerin des Hauses in Verbindung gebracht. Also: Don’t panic, setzen sie keine überstürzten Handlungen.

Das zweite Learning folgt sogleich: Während die derzeitige Regierung zuviel Message Control liefert, schadet eine Prise Kommunikationsmanagement nicht. Nicht jede Kommunikation ist eine gute Kommunikation. In der Politik nimmt die Pressearbeit einen hohen Stellenwert ein, sie wird strategisch geplant und mehr oder weniger professionell umgesetzt.

Nutzen auch sie Pressearbeit, Interviews & Co, um zielgerichtet Botschaften auszusenden. Rollen sie in der Vorbereitung ihre einzelnen Zielgruppen aus – wer liest aller die Artikel über das Unternehmen? Potentielle ArbeitnehmerInnen? Die derzeitigen MitarbeiterInnen? Meine Lieferanten und Kunden? Was wollen diese Zielgruppen hören, und was so gar nicht? Welche Botschaft schadet in diesen Zielgruppen, und was hilft ihnen auf ihrem zukünftigen Weg – etwa um neue MitarbeiterInnen anzuwerben?

Selbst prominente Organisationen und Unternehmen machen hier Fehler, sie sind Tag für Tag in den Medien zu lesen, zu hören und zu sehen. Message Control ist für mich als Kommunikations- und Positionierungsberaterin daher nicht per se ein negativ konnotierter Begriff – aber wie so oft: Die Dosis macht aber natürlich das Gift.